Gerade noch rechtzeitig?

Ich habe vor einer Weile ein Alpenveilchen geschenkt bekommen. Als ich das Geschenk gesehen habe, war mein erster Gedanke: „Wie wird das werden – mit uns beiden?“ Es gab vorher schon so manches Alpenveilchen, das unter meiner Fürsorge binnen kürzester Zeit jämmerlich eingegangen ist. Ich habe mich sogar zu der Behauptung versteift, dass wir – Alpenveilchen und ich – uns gegenseitig nicht mögen. Vielleicht sind mir die individuellen Ansprüche dieser Pflanzenart einfach zu hoch: nur von unten gießen, überschüssiges Gießwasser nach einer Weile weggießen … das habe ich natürlich alles nicht gemacht. Mit diesen Ansprüchen kann die Pflanze in freier Natur ja auch nicht überleben – habe ich mir gesagt.

Es ist schon länger her, dass ich den Vorgänger des neuen Alpenveilchens zu Grunde gerichtet habe. Also ein Grund, es nochmals zu versuchen, statt die Pflanze in treu-fürsorgende Hände zu geben. Mein neues Exemplar hat es jetzt schon ein viertel Jahr bei mir ausgehalten. Das macht mich ein wenig stolz, auch wenn es schon mehrmals die Blätter hat hängen lassen. Habe ich es zu selten gegossen? Heute sah es ganz schlimm aus. Jedes Mal hoffe ich, dass es noch nicht zu spät ist, dass ich es nochmals wiederbeleben kann. Also gießen und warten …

Und dann muss ich an meinen Schöpfer denken, von dem es heißt: „Alle deine Geschöpfe warten auf dich, dass du ihnen Nahrung gibst zur richtigen Zeit.“ (Psalm 104,27) Das macht mich froh: Gott ist ein viel besserer Gärtner als ich. Er kümmert sich um seine Geschöpfe zur richtigen Zeit, nicht erst dann, wenn es vielleicht schon zu spät ist. Er kennt die individuellen Bedürfnisse jedes seiner Geschöpfe. Er behandelt jedes so, wie es das ganz speziell braucht. Ihm ist das nicht zu viel Mühe. Man sagt: „Gott greift spätestens rechtzeitig ein.“ Seine Hilfe kommt nie zu spät. Sie mag anders sein, als erwartet. Sie mag später kommen als erhofft und erbeten. Aber Gott kennt die richtige Zeit und er weiß, was ich wirklich brauche. Darauf kann ich vertrauen.

Ich will mich um die mir anvertrauten Geschöpfe kümmern, weil mein Herr über Allem steht und sich auch ganz persönlich um mich kümmert. Das macht mich froh und gelassen: Er lässt mich nicht im Stich.

Michael